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Kodex
Unser Selbstverständnis
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Grundlage
unserer Gemeinschaft ist das Interesse an Aikido als einem ganzheitlichen,
Körper und Geist gleichermaßen entwickelnden Weg. Es
war eine revolutionäre Leistung des Gründers von Aikido,
O Sensei Morihei Ueshiba, als er ehemals tödliche Kampfkünste
zu einem menschlichen Entwicklungsweg weiterentwickelte, bei dem
es letztlich nicht mehr darum geht, einen Gegner zu besiegen,
sondern um die Wiederherstellung gestörter Harmonie.
- Kampfkunst wird von uns nicht vorrangig unter dem Gesichtspunkt
des Erwerbs von Stärke und (körperlicher) Durchsetzungskraft
geübt, sondern mit dem Ziel ganzheitlicher körperlicher
und menschlicher Entwicklung. Damit hat ein umfassender Gesundheitsaspekt
für unsere Aikidopraxis eine zentrale Bedeutung. Um dies
deutlich zu machen, haben wir den Begriff „Gesundheit“
auch in den Namen unseres Zentrums aufgenommen.
- Die Übenden in unserem „Zentrum für Kampfkunst
und Gesundheit“ lernen ganz handgreiflich und konkret, ihre
eigene Dimension bei einem Angriff auf eine Weise zu schützen,
durch die der Angriff neutralisiert, der Angreifer jedoch respektiert
und nicht beschädigt wird. Dieses Prinzip einzuüben
bedeutet, die in unserer Gesellschaft vorherrschenden Konfliktstrategien
qualitativ zu überschreiten. Das ist ganz offensichtlich
das, was unsere Welt heute auf allen Ebenen braucht - von persönlichen
Konflikten bis hin zur Weltpolitik.
- Eine zentrale Rolle spielt für uns das Aikido von Watanabe
Sensei (8. Dan) vom Hombu-Dojo in Tokio, der seit etwa 20 Jahren
der Meister unseres Lehrers Bertram Wohak und von weiteren Mitgliedern
des Aikikan Biberkor ist und dessen Aikido uns maßgeblich
prägt. Wer sich von diesem Aikido angesprochen fühlt
und diesen Weg geht, kann davon außerordentlich profitieren
– körperlich, gesundheitlich, seelisch und auch im
sozialen Verhalten.
- Aikido kennt keinen Wettkampf, es gibt weder Sieger noch Verlierer.
Der Zweck des Aikido liegt nicht in der Bekämpfung oder Vernichtung
eines äußeren Feindes. Vielmehr sind wir bemüht,
uns mit dem eigenen Inneren, unseren Impulsen und Gefühlen
zu konfrontieren um sie bewusst zu machen und zu „beherrschen“.
Die Stärke des Aikido liegt nicht in der Muskelkraft, sondern
in der Entwicklung von Flexibilität, Koordination, Kommunikation,
Abstimmung, Kontrolle, Bescheidenheit und Hingabe.
- Für unseren Weg schaffen wir einen Platz und eine Adresse
– ein Dojo. Unser Dojo soll konzeptionell so offen sein,
dass artverwandte und dazu passende andere Angebote z.B. auf dem
Feld der Aikidoerweiterungen, der Körpertherapie oder der
Meditation dort ebenfalls ihr Zuhause finden können. Angesichts
der vorherrschenden Kultur der Zerstreuung, der Körperabspaltung
und des Körperverlustes ist der von uns praktizierte Weg
es wert, bekannt gemacht zu werden, um den Menschen zu nutzen,
die dafür offen sind und danach suchen.
Unser Miteinander
- Ausschlaggebend ist, dass wir einander mit Respekt (jap. „Rei“)
begegnen und wissen, dass jede Person ihre eigene Dimension hat,
die es zu achten gilt.
- Alle Praktizierenden arbeiten zusammen, um innerhalb und außerhalb
des Trainings eine positive Atmosphäre von Achtsamkeit und
Respekt zu erzeugen. Dies gilt gleichermaßen gegenüber
dem Lehrer / der Lehrerin wie auch gegenüber allen anderen
Übenden.
- Es steht in der moralischen Verantwortung jedes und jeder Übenden,
Aikido-Techniken niemals dazu zu benutzen, eine andere Person
zu verletzen oder das Ego herauszustellen. Vielmehr üben
wir uns beständig in Bescheidenheit. Aikido ist ein Mittel
zur Entwicklung unseres Charakters. Jeder / jede ist verantwortlich,
keine Verletzungen zu verursachen. Wir schützen uns und unsere
ÜbungspartnerInnen immer.
- Jeder / jede hat andere Motive und körperliche Möglichkeiten,
Aikido zu praktizieren. Das akzeptieren alle, die das Dojo betreten.
Wir üben grundsätzlich mit allen, ohne irgend jemanden
auszugrenzen.
- Dieses Miteinander in gegenseitigem Respekt hat sich vor allem
dort zu bewähren, wo Meinungsverschiedenheiten oder Konflikte
bestehen. Es entspricht unserem Verständnis von Aikido, Meinungen
und Verhaltensweisen wo nötig auch pointiert zu kritisieren,
die andere Person muss jedoch respektiert werden. Angriffe auf
Personen oder ihre Motive werden nicht toleriert.
- In jedem Zusammenschluss von Menschen, und sei er noch so klein,
taucht früher oder später das Problem der Macht auf.
Macht als solche ist nichts Negatives, sie wird es aber, wenn
auf Grund von formalen Positionen persönliche Vorteilsnahme
erfolgt oder andere Übende ausgegrenzt werden. Produktive
Macht erhalten Personen dann, wenn sie andere motivieren, inspirieren,
aktivieren und dadurch einen Prozess auslösen und fördern,
der unserer Gemeinschaft insgesamt dient.
- Unsere große Chance und Aufgabe ist es, eine traditionell
hierarchische japanische Budokunst in unsere westliche Lebensweise
zu integrieren ohne sie zu verwässern. Dazu müssen wir
das Spannungsverhältnis zwischen notwendigerweise hierarchischen
Lehrer-Schülerbeziehungen und einer demokratischen Organisationskultur
aushalten und produktiv umsetzen.
- Hierarchie in einer Lehrer-Schülerbeziehung spiegelt die
Unterschiede an Erfahrung und Reife auf diesem Weg. Sie ist eine
freiwillig eingegangene sehr persönliche Beziehung mit wechselseitigen
Verpflichtungen, ohne die eine Weiterentwicklung auf diesem Weg
nur schwer stattfinden kann. Sie ist eine Hierarchie der Verantwortung
und nicht der Vorrechte. Ihre natürliche Grundlage ist Autorität.
Echte Autorität kann nicht eingefordert, sondern nur freiwillig
entgegen gebracht werden.
- Demokratische Mitbeteiligung ist für uns westliche Menschen
die beste Lösung überall dort, wo wir unsere gemeinsamen
Angelegenheiten regeln wollen. Naturgemäß haben dabei
diejenigen am meisten Einfluss, die auch am meisten Verantwortung
übernehmen.
- Kommunikation, Transparenz und Mitbeteiligung sind die praktische
Umsetzung gegenseitigen Respekts auf organisatorischer Ebene.
Sie sind die Voraussetzung dafür, dass sich die Übenden
mit den Aktivitäten des Aikikan Biberkor e.V. identifizieren
und sich bei deren Umsetzung konstruktiv beteiligen.
Stand 26.7.2006
Auf diesem Kodex basieren die Mitgliedschaft
im Aikikan Biberkor e.V. und die Trainingsteilnahme in unserem Dojo.
Kodex des Aikikan Biberkor (PDF 201 KB)
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